20.05.2019

Ingrid Kreul

Was machen unsere Wölfe?

Am Wochenende war im Nachbarort Crash- Car- Rennen. Für viele ein Spaß.
Wir fuhren lieber in den Wald, warteten auf einen hellen Mond und beobachteten Hirsche. Gegen 1 Uhr im Bett hörten wir ein Knallen und Scherbeln direkt vorm Gartentor. Also raus, denn vielleicht war erste Hilfe nötig. Aber noch nicht mal in den Latschen fuhr das Auto weiter. Also zurück ins Bett.
Früh mit den Hunden los. Da lag am Fahrbahnrand ein Frischling von ca. 3 kg. Das Erstaunliche: er war fast weiß und hatte keine Streifen. Ein Albino.  Gegenüber im Getreide die Bache. Beide tot. Auch einige kleine Fahrzeugteile lagen herum. Nun ja, beim Crash- Car- Rennen gibt es auch Alkohol. Da holt man dann besser keine Polizei.

Also den Revierpächter verständigt und mit den Hunden nur eine kleine Runde gedreht, damit auch beide Stücke gefunden werden. Insgesamt waren es wohl fünf bis sechs Frischlinge gewesen. Die Überlebenden mussten also noch in der Nähe sein.

Am nächsten Tag beim Spaziergang versteinerte unsere älteste Hündin plötzlich und ging keinen Schritt weiter. Unweit unseres Hauses stand ein Wolf auf einer Waldschneise. Keine 30m von uns entfernt. Mit den fünf Hunden an der Leine rief ich ihn an: „Na, heute schon gefrühstückt? Gab es Frischling?“ Keine Reaktion. Ich winkte. Keine Reaktion. Er fixierte uns einfach. Die Hunde schauten ihn übrigens nicht an. Sie stehen in so einer Situation mit abgewendeten Köpfen ruhig neben mir und warten einfach ab.  Wir gingen weiter. Nun folgte uns der Wolf parallel im Stangenholz. Erst an der nächsten Dickung geriet er außer Sicht.
Was denkt der Wolf? Sagt ihm seine Wolfslogik, dass die Hunde starke Nahrungskonkurrenten sind? Schließlich lagen diese beiden toten Stücke bei uns--- und waren dann einfach weg. Oder war er der Meinung, wo dieses Rudel hin zieht gibt es bestimmt Futter?
Immer wieder erstaunlich und beängstigend ist, wie nahe uns der Wolf kommt und wie wenig Respekt er vor uns hat.


17.01.2019

Ingrid Kreul
Anmerkung: Die Fotos sind von mir im Revier gemacht, das Problem - wenn es in der Dickung oder dem Wald bricht denkt man an Sauen und hat das Gewehr parat, nicht den Fotoapparat

18.02.2019: Ingrid Kreul berichtet gerade, dass ihr am Wochenende erstmals ein Wolf gefolgt ist, als sie mit ihren Hunden im Revier gearbeitet hat. Sicher angelockt durch Schweißfährten, Schleppen usw. Es war ihr unheimlich und sie weiß jetzt nicht, wie es mit der Hundearbeit im gepachteten Jagdbezirk weiter gehen soll.

Jagen und Züchten im Wolfsrevier

Wir wohnen, jagen und züchten Deutsch Langhaar in der Lausitz. Hier gibt es prozentual die meisten Wölfe Deutschlands. Vor über zehn Jahren tauchten bei uns die ersten Wölfe auf.

Ich wurde zu einer Nachsuche auf Rehwild gerufen. Damals führte ich fünf brauchbare Kleine Münsterländer. Mein KIM- Rüde eignete sich besonders zur Nachsuche und zum Niederziehen bzw. Stellen von Wild. Doch nach etwa 100 m Fährte schien sich das Reh in Luft aufgelöst zu haben. Wir standen mitten in der Heide. Also holte ich einen zweiten Hund. Das gleiche Spiel. Wir fuhren ratlos nach Hause. Nun nahm ich alle Hunde mit und startete einen letzten Versuch. Die Meute rannte los und an besagter Stelle aufgeregt auf und ab. Plötzlich waren alle Hunde spurlos verschwunden. Fünf Hunde einfach weg? Ich rief und pfiff. Einer nach dem anderen tauchten sie wieder auf. Und nun kamen die Wolfsbeauftragten. Wir hatten eine Wolfshöhle entdeckt. Wäre mein erster Nachsuchenhund sofort dort rein gegangen, hätten wir den Wolf vielleicht überrascht. In der Meute fühlten sich meine Hunde stark. Zum Glück hatten wir den Wolf vorher genug beunruhigt und er war geflohen. Nun durften meine Hunde im Revier nur noch einzeln laufen. Bald gingen sie auch auf Fährten weiter, die der Wolf gekreuzt hatte. Aber sie blieben vorsichtig.

Wolf 4

 Mit meiner Deutsch Langhaar Hündin wurde ich nach Einbruch der Dunkelheit zu einer Nachsuche auf Rehwild gerufen. Bei Dunkelheit werden meine Hunde im Wolfsgebiet nicht geschnallt. Also bat ich den Jagdgast, eine erste Kontrollsuche mit seinem geprüften Hund am Riemen durchzuführen. Sollte eine Nachsuche mit Hetze nötig werden, wollte ich nach Sonnenaufgang zur Stelle sein. 
So fuhren wir am nächsten Morgen hin. Cosma reckte schon die Nase aus dem Autofenster und signalisierte: Das Stück liegt. Nanu, warum hatte der andere Hund nicht gefunden? Also alles klar... und ich ging unbewaffnet los.
Am Anschuss blieb Cosma zögerlich stehen. Nach mehrmaliger Aufforderung nahm die Hündin die Fährte an. Jedoch sehr langsam. Kein straffer Riemen. Immer wieder fragender Blick zurück. Nach etwa 50m blieb der Hund direkt neben mir. Vor uns prasselte es. Zwei Wölfe verschwanden unwillig in der nahen Dickung. Deckenfetzen, Schweiß und Hinterläufe vom Reh. Die Wölfe wissen, dass nach einem Schuss Wild liegt. Der Gast- Hund von der Nordseeküste hatte die nahenden Wölfe gewittert und nicht gesucht.

 Wolf 5 500

Im Welpenzwinger herrscht schon weitestgehend Sauberkeit. Die kleinen Welpen schaffen es auch nachts bis in den Welpenauslauf und lösen sich dort. Als die Zuchthündin abends dauerhaft überaus wütend am Zaun Laut gibt, fällt mir bei unserer Einzellage des Grundstücks nur Schwarzwild ein.
Früh haben sich die Welpen in der Unterkunft gelöst. Die Waschmaschine läuft. Alle Hundedecken sind betroffen. Das geht drei Nächte lang so. Warum plötzlich? Ohne die Mutterhündin verhalten sich die Welpen ängstlich und wollen den geschützten Zwingerteil nicht verlassen.
Mit den erwachsenen Hunden komme ich vom Morgenspaziergang und sehe ihn sitzen. Unweit unseres Hauses sitzt ein Wolf auf dem Weg. Eigentlich soll der Welpenauslauf bis an die Grundstücksgrenze erweitert werden. Aber das ist wohl kein guter Einfall. Für die Welpen ist der Wölf sehr bedrohlich. Sie wären für ihn leichte Beute. Der Instinkt rät ihnen, sich zu verstecken.

Wolf 2

Meine Hunde dürfen im Revier auf den Hauptwegen vorm Auto frei laufen. Ich bringe Eicheln auf die Kirrung und DL- Hündin Quilla wartet abgelegt neben dem Auto. Fahre ich los, muss sie liegen, bis der erlösende Pfiff kommt. Doch heute stürmt sie schon nach dem Anlassen des Motors los. Also springe ich wütend aus dem Auto, schaffe den Hund an den Ablegeort zurück und fahre zur Probe mehrfach mit dem Auto vor und zurück. Es klappt und Quilla darf rennen. Nach einer Waldecke biege ich rechts ab. Zu meinem Entsetzen sehe ich vor mir im Heidekraut zwei Wölfe liegen. Quilla rennt sehr schnell und war nach dem Ablegen total angespannt. Meine Trillerpfeife platzt fast, der Hund reagiert nicht. Die Wölfe laufen in Richtung der Kirrung. Quilla rennt auf dem Weg und scheint keine Witterung von den Wölfen zu haben. Doch die Wölfe bekommen nahe der Kirrung Witterung von mir und machen kehrt. Nun rennen Hund und Wölfe im spitzen Winkel direkt aufeinander zu und geraten 200m vor mir außer Sicht. Ich springe wieder ins Auto, gebe noch einen Doppelpfiff ab und will gerade das Gaspedal durchtreten, als Quilla wieder auftaucht. Mir ist schlecht. Aber eigentlich bin ich vormittags im Revier, weil meine Waffe einen Probeschuss nötig hat. Quilla wird also bald wieder am Auto abgelegt und ich gehe zum nahen Hochsitz. Nach dem Schuss knackt es aus Richtung Auto. Ist dieser Hund wieder aufgestanden? Nein, Quilla liegt brav, aber die Wölfe sind noch in der Nähe und werden vom Schuss angelockt.

Wolf 3

 Die Wölfe im Bundesforst sind noch nicht zu Problemwölfen geworden. Aufbruch, der nach Mensch riecht verbleibt bei uns nicht im Wald. Kirrungen gibt es nicht oder nur mit wenig Mais, Eicheln, Kastanien. Luderplätze findet man keine. Schließlich müssen wir uns doch fragen, wie es zur Domestikation des Hundes kam.
Eine Reduzierung des Wolfsbestandes würde den grauen Gesellen wieder etwas mehr Respekt vor dem Menschen beibringen. Aber eine Ausrottung des Wolfes wird es nicht geben. Wir müssen lernen, unser Verhalten anzupassen und unsere Hunde durchdachter einzusetzen. Die Wolfsschutzweste ist umstritten. Je nach Außentemperatur, Behaarung des Hundes und Dauer des Einsatzes besteht die Möglichkeit, dass der Hund überhitzt und kollabiert. Der beste Schutz für unsere Hunde ist die Nähe des Menschen.

Ohne Restrisiko geht es nicht. Derzeit sterben aber immer noch die meisten Jagdhunde durch Verkehrsunfälle und Schwarzwild

Mit freundlicher Genehmigung von JGHV und DJV können wir den Fleyer "Hundearbeit im Wolfsrevier" - Beilage im Heft 12/2018 "Der Jagdgebrauchshund" veröffentlichen

zum Vergrößern anklicken

Fleyer 1Fleyer 2

 Fleyer-1.jpg